Funzel, Durlach

www.funzel-durlach.de/

© Funzel

Wer in Durlach vom Schlossplatz (Straßenbahn 1) kommend gen Norden läuft, wird zur Essenszeit meist von der Sogwirkung der Alten Schmiede an deren Tische gezogen. Gelingt es diese Adresse für hochwertige, gutbürgerliche Küche zu umsteuern, besteht die Chance im weiteren Verlauf der schmalen Gasse, die dahinter liegende Funzel zu entdecken. In einem schönen Fachwerkhaus genießt man bisweilen saftiges Rumpsteak (aus Argentinien, obwohl ich deutsches Fleisch begrüßen würde), üppige Grillplatten „Balkan Art“ und frönt kroatischem Wein.

Ambiente:
In den bescheidenen und überschaubaren Räumlichkeiten der Funzel fühlte sich jedermann sofort wohl. Viel Holz, angenehme Beleuchtung, gepaart mit Sandstein und rot-weißen Akzenten der restlichen Wände. Bei Tisch bekamen wir modernes Geschirr und Besteck vorgesetzt, dessen Anblick nur von der schlichten Papierserviette geschunden wurde. Selten trank ich meinen Espresso aus gleichsam optisch und haptisch so hervorragenden Tassen (Villeroy & Boch). Trotz all dem Lob ist in Sachen Tischdekoration und Präsentation im Vergleich mit stilechten Adressen noch Luft nach oben. Die Sauberkeit im Restaurant und der sanitären Anlagen war tadellos. [Wertung: 7/10]

Service:
Eine One-Women-Show hinter der Theke und an den Tischen wurde hier mit Bravour und ohne größere Wartezeiten gemeistert. Nicht nach allen Regeln der Servicekunst, aber mit einer herzlichen Freundlichkeit wurden wir beraten und bedient. Die Weingläser wurden voll eingeschenkt (schwenken unmöglich) oder uns ein falsch geliefertes Dessert geschenkt. Sonderwünsche bei den Speisen waren kein Problem und die Präsenz am Tisch war in ausreichendem Maße gegeben. Ein Gefühl von kroatischer Gastfreundlichkeit stellte sich ein, welches dem Restaurant gut zu Gesicht stand und für eine entspannte Atmosphäre sorgte. [Wertung: 7/10]

Speisen & Getränke:
Die Karte der Funzel bietet südosteuropäische  Grillspezialitäten (jedoch nicht vom Grill), Variationen vom argentinischen Rumpsteak, Maultaschen, verschiedene Schnitzelgerichte, sowie Salate und Vorspeisen. Die Getränkekarte bleibt überschaubar mit dem üblichen Sortiment an Wässerchen und ca. 15 Weinen, zur Hälfte kroatischer Herkunft. Wer bereit ist etwas zu wagen, wählt vorzugsweise einen dieser (mir) unbekannten Tropfen. Meine Begleiter an diesem Abend haben kein schlechtes Wort über die kroatischen Weine verloren.
Zur Vorspeise wählten wir zunächst gebackene Peperoni in Knoblauch & Öl, sowie ein Antipastiteller. Beides war schmackhaft und auch optisch ansprechend präsentiert (keine ausgefallene Präsentation, aber ansprechend). Antipasti hätten für mich etwas mehr Würze oder Kräuter vertragen und boten insgesamt jedoch mit Paprika, Oliven, Aubergine, Schafskäse, Peperoni und Zucchini eine abwechslungsreiche Darbietung. Einziger Wermutstropfen war das alte Baguette zur Vorspeise, welches an Trockenheit und Zähigkeit kaum zu überbieten war.
Die Hauptspeisen an unserem Tisch waren sehr fleischlastig. Grillplatten, Rumpsteaks und Maultaschen „Milaneser Art“ wurden bestellt. Zunächst wurde jedoch ein aus bunten Blättern bestehender Beilagensalat gereicht. Ich war entzückt, denn genau so sollte ein Beilagensalat sein! Frischer, knackiger und leichter Blattsalat, ein Hauch nussiger Rucola und eine einfache, aber gute Vinaigrette. Wie oft wird verwässerten Mist serviert oder ein buntes Allerlei aus Dosengemüse vorgesetzt. Viele Restaurants müssen noch verstehen, dass ihr Essen noch so gut sein kann, wenn kleine Details am „Rande“ nicht stimmig sind. Denn so wird der Gast letztlich nicht vollends überzeugt und zufrieden das Restaurant verlassen.
Wir waren es an diesem Abend. Mit den Hauptspeisen war man insgesamt zufrieden. Die Rumpsteaks waren schön medium gebraten, aber teilweise von Sehnen durchzogen. Die Maultaschen überzeugten mit ihren inneren Werten und die Grillplatten boten abwechslungsreichen Genuss. Sucht man bewusst nach Unstimmigkeiten, könnte man das etwas trockene Fleisch der Grillplatten anführen oder die faden und matschigen Reisbeilagen. Angeführt wird die Kritikliste jedoch vom nicht vorhandenen Vanilleeis und die dadurch nahezu halbierte Auswahl an Desserts. Walnusseis mit heißen Himbeeren empfanden wir als wenig stimmig und so gab es letztlich überwiegend Espresso aus wunderschönem Porzellan. [Wertung 7/10]

Letztlich sprechen wir eine klare Empfehlung für dieses gut geführte Restaurant aus und schließen mit folgender ansehnlicher Wertung:

Gesamtwertung: 7/10

Preiskategorie: €€
Preis-Leistung: 8/10

Erklärung zur Preiskategorie:
€ = Einfache Küche (Imbiss, Schnellrestaurant, schlichte Restaurants zur Nahrungsaufnahme)
€€ = gehobene Küche (gehobenere, gutbürgerliche Küche, Spezialitätenrestaurants, zum Verweilen)
€€€ = Gourmetküche (die Spitzenklasse, haute cuisine, höchste Erwartungen an Speisen, Getränke, Service und Ambiente)

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