Messer an die Kehle – Schlachten für Supermarktindianer

Ich nahm die kleine Wachtel mit beiden Händen aus dem Käfig und hielt sie sachte an der Brust. Sie wirkte etwas irritiert, aber nicht nervös und machte keine Anstalten zu entkommen. Die Wachteln wurden von meiner Tante alle mit der Hand groß gezogen und zeigten darum wohl wenig Scheu. Kalt war es an diesem Tag im Dezember 2012 und spürte ich gut, wie warm und flauschig Gefieder und Tier waren. Ich setzte das Tier auf den Boden, hielt es aber immer noch mit einer Hand fixiert, während die andere Hand einen Holzknüppel griff und in Richtung des Hinterkopfes der Wachtel zielte. Ich nahm mir Zeit und genau Maß. Der erste Schlag sollte sitzen. Ich schlug zu und der Wachtelkörper erschlaffte augenblicklich. Alles andere ging schnell. Ein Schnitt tief in den Hals, der kleine Körper zuckte stark, während das warme Blut dampfend in einen Eimer floss und ein paar Tropfen auf meine beige Hose. Dann war alles vorbei und ich hatte meinen ersten Vogel getötet. Forellen sind schon durch meine Hand gestorben, bereits tote Schweinhälften zu Wurst und Fleischstücken verarbeitet worden, doch diese Wachtel fühlte sich ein wenig anders an. Ich will jetzt nicht sentimental werden oder gar zum Vegetarier, das Prozedere ging mir schnell, unspektakulär und relativ einfach von der Hand, aber ich hatte gerade mit einem Messerstreich ein Lebewesen zu einem Stück Nahrung gemacht. Dieses Stück Nahrung wollte jedoch auch nach dem mühevollen Rupfen der Federn und der Entnahme der Innereien für mich noch nicht aussehen wie das übliche abgepackte Hühnchen aus dem Supermarkt. Es war keine Packung aus dem Supermarkt. Vielmehr  war es gerade noch lebendig und war von mir getötet. Ich freute mich auf das Fleisch, aber ich war der Wachtel irgendwie dankbarer und hatte mehr Respekt vor dem was ich da in meinen Mund schieben wollte. Meine Wachtel und deren vier Kollegen, die jedoch von meinem Onkel (gelernter Metzger) geschlachtet wurden, fuhren in einer Kühltasche mit mir und meiner blutigen Hose im Zug nach Karlsruhe (schräge Blicke inklusive). Dort sollte den besonderen Wachteln eine besondere Bestimmung zukommen und vor allem sollten sie ganzheitlich verwertet werden. Ich nutzte Sie für unser letztes GG-Event, wo ich aus ihnen 3 verschiedene Gänge zubereitete. Gedämpfte Wachtelbrust, geräucherte Wachtelkeulen und aus den Resten eine Wachtelconsommé für Blutwurstmaultaschen. Es war ein kulinarisches Gedicht für die Gäste und mich, zudem ein Höhenflug in Sachen Frische, Qualität und Transparenz von der Tieraufzucht bis zum Teller. Ich denke es kann kein besseres Essen geben, keines so frei von irgendwelchen Zweifeln und Ungewissheit, wie ein Essen dessen komplette Entstehung in den eigenen Händen lag.

Die Schlachtung liegt nun schon fast 2 Monate zurück und es fühlt sich wie immer an Tiere zu essen, auch aus fremder Hand. Es ist klar, dass man eine Industrienation wie unsere nicht aus dem eigenen Stall oder nur mit glücklichen Weiderindern vom Metzger nebenan mit Fleisch versorgt. Es kann jedoch sinnvoll sein, eine Auseinandersetzung mit dem Thema zu suchen und einen Bezug zum roten, faserigen Eiweißklumpen im Kühlregal herzustellen. Vielleicht entschließt man sich dazu weniger Fleisch zu essen, den Fabriken mit ihrer Fließbandware weniger Geld zuzustecken, mal selbst zu schlachten oder zumindest auf gutes, regionales, oft jedoch auch eher industriell produziertes Fleisch vom Metzger nebenan (insofern es dort noch einen gibt) zu setzen. Ich zumindest plane schon die nächste Hausschlachtung eines Schweins. Zwar wird ein befreundeter Fachmann das Ende bereiten, aber bei allen weiteren Schritten bin ich vorne mit dabei. Ein hoch auf volle Transparenz, frisches Fleisch, Dosenwurst und geräucherte Köstlichkeiten für ein ganzes Jahr, hergestellt mit eigener Gewürzmischung und mit eine großen Bezug zum Tier.

Link für Hausschlachtebedarf…

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