Die letzte Frischmilch Bastion

MilchglasSie hat es fast geschafft die Frischmilch zu verdrängen. In allen Spielarten des Lebensmitteleinzelhandels führt der Griff in die Reihen der gekühlten Milch mittlerweile zur ESL-Milch. ESL steht für Extended Shelf Life, zu Deutsch längere Haltbarkeit im Regal. Die Herstellungsmethode für diese Spielart der Milch liegt zwischen den beiden altbekannten Varianten Frischmilch und H-Milch (Hocherhitzt). Während Frischmilch zur Haltbarmachung für etwa 15-30 Sekunden schonend auf 72-75° C erhitzt wird, erfolgt für H-Milch eine kurze, sehr starke Erhitzung auf 150° C um die lange Haltbarkeit auch ohne Kühlung zu erreichen. Zwischen diesen Methoden liegen die Verfahren zur Herstellung von ESL-Milch. Hier wird mittels Mikrofiltration (alleine in Deutschland jedoch nicht zur Haltbarmachung zugelassen) und einem raschen direkten Erhitzen durch Dampfinjektion bei ca. 125° C eine 12-21 Tage gekühlt haltbares Produkt erzielt.

Für den Einzelhandel natürlich eine willkommene Entwicklung, lässt sich die ESL-Milch immerhin 2-3x länger verkaufen als herkömmliche Frischmilch. Für den Verbraucher ist diese Entwicklung weniger vorteilhaft. Zum einen gilt die verlängerte Haltbarkeit nur im geschlossenen Zustand, zum anderen sind sensorische Veränderungen und Vitaminverlust gegenüber der traditionellen Frischmilch feststellbar. Letztere Nachteile variieren je nach Herstellungsprozess der ESL-Milch. Womit ein weiteres Problem erkennbar wird; das Herstellungsverfahren wird auf der Verpackung nicht ersichtlich, insofern überhaupt eindeutig eine Abgrenzung zur Frischmilch durch die Deklaration erfolgt. Der Begriff „frisch“ ist sehr häufig auf ESL-Milch zu finden und soll eindeutig eine Brücke zum traditionellen Herstellungsverfahren schlagen. Betrachten wir abschließend die ökologische Seite der ESL-Milch, sehen wir dort einen erhöhten Energieeinsatz, längere Transportwege aus zentrale, großen Molkereien und dadurch eine Verdrängung regionaler Erzeugnisse, die das ESL-Verfahren nicht anwenden können oder wollen.

Frischemilch vom Aspichhof, Ottersweier

Frischmilch vom Aspichhof

Bei den gängigen Supermärkten in Karlsruhe ist schon keine traditionelle Frischmilch mehr im Kühlregal zu finden. Im westlichen Karlsruhe bleiben nur zwei letzte Bastionen der Frischmilch – Alnatura und CAP. Alnatura bietet Frischmilch von Schwarzwaldmilch, die geschmacklich überragend ist. Aufgrund meiner geringfügigen Abneigung gegen „Bio“, empfehle ich jedoch den CAP – Markt, der eine hervorragende, regionale Frischmilch und Joghurt vom Aspichhof bei Ottersweier anbietet. Was gibt es denn Schöneres als sich geschmacksintensive, gekühlte Frischmilch aus der großen Öffnung der Milchflasche direkt in Rachen zu gießen. Milchbärte sind voll im Trend!

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