Der Jäger { Video }

Jäger stehen oft unberechtigt in einem schlechten Licht. Dabei ist Jagen mehr als freudig Tiere zu erlegen. Wir begleiteten einen Jäger für einen Tag in den Wald und sahen, was es bedeuted in der Natur zu sein, sein Revier zu pflegen und letztlich auch ein Tier zu erlegen sowie es zu verwerten . Ein interessanter Einblick in die Welt der Waidmänner im folgenden Interview kombinert mit 3-minütigem stimmungsvollen Video.

Gastro Guerilla: Seit wann jagst du und wie bist du dazu gekommen?

Matthias: Ich bin seit 2006 im Besitz des Jagdscheins, „dabei“ aber eigentlich schon immer, da meine Familie väterlicherseits sehr jagdlich geprägt ist. Sprich: Seit meinem Ur-Ur-Uropa Adam Friedrich waren alle oder sind alle Jäger. Geprägt haben mich hier mein eigener Opa, Förster a.D., sowie mein Vater und Onkel, die beide auch jagen. Mein Bruder macht im Übrigen in diesem Jahr den Jagdschein.

GG: Was machst du wenn du nicht im Wald deinem Hobby nachgehst und aus welchem Umfeld kommen denn all deine Jägerkameraden?

M: An erster Stelle steht natürlich die Familie und hier vor allem mein kleiner Sohn Johannes. Ansonsten natürlich die Arbeit als Realschullehrer und wenn dann noch Zeit bleibt, versuche ich möglichst viel Sport zu machen (Laufen, Mountainbike, Skifahren) – eben möglichst viel Zeit draußen verbringen!

Generell gibt es DEN Jäger nicht, bei meinen Jagdkameraden sind alle Berufe (Handwerker, Bauern, Akademiker,…) vertreten. Es sind aber eher die „kleinen“ Leute, die jagen. Vertreten sind alle Altersstufen, wobei es eher wenige „junge“ Jäger gibt, da viele den Jagdschein erst zwischen 30 und 40 Jahren machen.

GG: Wieviel Zeit beansprucht das Jagen?

M: Das kommt darauf an, mit welcher Gewissenhaftigkeit das Ganze betrieben wird.  Ich bin eigentlich jeden Samstag im Wald und (wenn die Zeit es erlaubt) auch unter der Woche.

GG: Im Video sehen wir dich mit Eimer und Hammer. Was macht der Jäger außer Jagen?

Jäger in Dämmerung mit Gewehr von hinten

In der Dämmerung auf dem Weg zum Hochsitz.

M: Das Jagen an sich (also der Ansitz/Anstand) machen den geringsten Teil aus. Ein Revier will und muss gepflegt werden: Ansitzeinrichtungen müssen gebaut, repariert und freigeschnitten werden, Äsungsflächen für das Wild müssen geschaffen werden, derzeit steht (leider) auch das Beseitigen von Wühlschäden durch Wildschweine im Grünland an. Ein weiterer wichtiger Punkt ist z.B. die Biotoppflege und das Ausbringen und Kontrollieren von Nistmöglichkeiten für Eulen, Singvögel, etc. Im Herbst wird Apfeltrester in Fässer gestampft und diese in den Wald gefahren, Rüben müssen gekauft und eingelagert werden, etc. Im Winter steht dann die (wenn möglich) tägliche Kirrung mit Trester an, um einen geordneten und waidgerechten Abschuss zu ermöglichen.

GG: Was ist des Waidmanns Glück bzw. was ist das Schönste für dich am Jagen?

M: Das Schönste am Jagen ist für mich nicht, ein Tier abzuballern, im Gegenteil. Wer sich daran aufgeilt, sollte seinen Jagdschein abgeben. Das Schönste ist die Zeit im Wald: Beim Morgenansitz dem Vogelkonzert lauschen und den Sonnenaufgang beobachten, wenn alle anderen noch im Bett liegen . Im Winter bei Minusgraden dick eingemummelt auf dem Hochsitz zu sitzen und die Stille zu genießen. Schön ist zum Beispiel auch die Geselligkeit nach Gesellschaftsjagden (Stichwort Jägerlatein) und natürlich das Essen eines gesunden, nachhaltigen Lebensmittels!

GG: Kannst du Wild was dir vor die Büchse läuft einfach und immer erlegen oder hast dabei auf etwas zu achten?

Geschossenes Reh Nachaufnahme Kopf

Nach einem sauberen Schuss liegt das tote Reh am Waldboden.

M: Es gibt einen Spruch, den mir mein Opa immer eingetrichtert hat: „Das ist des Jägers höchst Gebot, was du nicht kennst, das schieß‘ nicht tot!“ Zunächst einmal wird nur das erlegt, was klar angesprochen (also bestimmt, um welche Wildart, ob männlich oder weiblich,…) werden kann und selbst dann schieße ich nur, wenn ich sicher bin, dass der Schuss das Tier so trifft, dass es nach Möglichkeit direkt am Platz verendet (wie das Kitz im Video). Wir haben natürlich Vorgaben, wie viele Tiere jeweils erlegt werden dürfen. Dies wird bei den Rehen am jeweiligen Verbiss der Hauptbaumarten festgemacht, mehr Verbiss, mehr Abschuss! Bei Wildschweinen gibt es jedoch so eine Vorgabe nicht, da sie sich einfach so stark vermehren. Damit sich der Bestand nicht vermehrt, müssten 90% der Frischlinge erlegt werden, was bei 5-8 Frischlingen pro Bache nahezu unmöglich ist. Trotz allem gilt auch hier: Keine führenden Stücke (Muttertiere)!

GG: Was passiert mit einem geschossenen Tier? Was ist aus dem Reh im Video geworden?

Matthias: Das erlegte Tier wird zunächst aufgebrochen (ausgenommen) und dabei auf Krankheiten untersucht. Wenn es gesund ist, kommt es in die Wildkammer und wird dann zerlegt. Das Reh im Video gab es bei einer Arbeitskollegin von mir zu Weihnachten.

GG: Und abschließend: Dein Lieblingswildgericht?

M: Wild muss klassisch zubereitet werden! 1-2 Stunden im Ofen und immer wieder Rotwein angießen, damit eine schöne dicke Soße entsteht. Dazu Spätzle oder Kartoffelbrei, Rotkraut, Preiselbeermarmelade und ein guter Rotwein (z.B. der Lemberger „Herzog Christoph“ der Winzergenossenschaft Güglingen-Cleebronn). Am liebsten sind mir Reh, Wildschwein und Rotwild.

GG: Vielen Dank für das Interview und Waidmannsheil!

Advertisements