Cola-Tasting – Kann man sich an den Geschmack von Coca Cola gewöhnen?

Cola ist eine Zitronen-Kräuterlimonade, die mit Zuckercouleur eingefärbt wird.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, aber auf die Probe kann man ihn schon stellen. Ein Cola-Tasting des Mixology Magazins (Fachblatt für Barkultur) in dem  Heft 1/2011 nahmen wir zum Anlass selbst ein Tasting mit ähnlichen Voraussetzungen durchzuführen. Bei den Tastings von Mixology sind nur Geschmacksprofis involviert, was heißt, dass jeder der Tester ein geschulter Schmecker ist, der des Öfteren unterschiedlichste Getränke sowohl blind, als auch im täglichen Betrieb hinter den Brettern, die die Welt bedeuten (Die Bar, d. Red.) verkostet.

© Wertung des Mixology Magazins  

Mixology hat ein erstaunliche Ergebnisse hervorgebracht. So wurde zum Beispiel Coca Cola, als auch Afri Cola verheerend mit den letzten beiden Plätzen abgestraft. Die Discounter Cola von JA! Platziert sich nur knapp über den 2 Verlierern. Die biologisch-dynamische Bios Coola und die orientalisch angehauchte Haji Cola schafften es nicht ganz zu dem Mittelfeld aufzuschließen. Eng beieinander finden sich die traditionsreichen Vita Cola und Sinalco Cola, der Gigant Pepsi Cola, die „etwas andere“ Club Mate Cola, die zurzeit sehr angesagte Fritz Cola aus Hamburg und die kultige Club Cola aus dem Osten. Den Sieg machten die alternative und konsumentengesteuerte Premium Cola und Red Bull Cola  vom Energy-Drink Riesen aus Österreich unter sich aus, wobei der geflügelte Bulle sich klar durchsetzen konnte. Es ist zu beobachten, dass es vor allem Colas mit feiner Balance, interessanten Geschmacksprofilen und nicht zu viel Süße in die Gunst der Barprofis schafften. Die eher „weichgekochten“ und stark süßen Brausen schnitten weniger gut ab.

Für unser Tasting ging es uns nur um den Geschmack. Die Kategorie PACKAGING, MARKE & IMAGE fand keine Beachtung, da wir nicht auf die in der Mixology verwendeten Gastro-Gebinde zurückgreifen konnten. Also kauften wir alle Colas, die im Supermarkt, einem Einkaufscenter und einem Getränkehändler zu bekommen waren und verwendeten die Gebinde mit dem besten Money for Value.

Die Geschmackslaien und Hobby-Cola-Trinker durften 11 verschieden Colas testen, wobei bis auf die Kirsch-Cola Dr. Pepper alle im Mixology-Tasting vertreten waren. Auch bei uns gab es die Colas aus kleinen Plastikbechern in Kühlschranktemperatur. Jeder Tester durfte 10 Punkte vergeben, woraus wir einen Durchschnittswert ermittelt haben.

Bevor wir zur Analyse der Ergebnisse kommen, zuerst die reinen Ergebnisse im Vergleich.

Das Ergebnis unseres Tastings. Angegeben sind die Mittelwerte aller Wertungen mit Standardabweichung als Fehlerbalken.

Red Bull Cola

Bei den Profis an erster Stelle gewinnt sie in unserem Tasting nicht mal einen Blumentopf. Das könnte daran liegen, dass sie sehr polarisierend ist und geschmacklich sicherlich heraussticht. Intensive Gewürznoten nach Ingwer, Nelke und Sternanis mit ausgeprägter Säure und spritzigen Zitronennoten waren vielleicht für den einen oder anderen Gaumen zu viel. Genau das haben auch unsere Tester bemängelt: „zu kräutrig“, „Lakritz“, „bitter“, „irgend ein Scheiß aus dem Amiland“. Der O-Ton der Kommentare war eindeutig.

Sicherlich ist die Red Bull Cola eine sehr interessante Cola, die man für sich selber ausprobieren kann, sie steht sicherlich nicht für den Mainstream. Entweder man liebt sie, oder man hasst sie.

Dr. Pepper
Die Kirsch-Cola hat auch ordentlich ihr Fett wegbekommen. Die Kirschnoten wurden als störend und künstlich empfunden. Als Cola wollte unsere Tester sie auch nicht akzeptieren und Vergleiche zu Lutschern und Marzipan wurden gezogen. Etwas mehr Natürlichkeit würde ihr sicherlich guttun. Die Wertung zeigte die größte Streuung aller Colas. Liebhaber von Dr. Pepper erkannten diese sofort und vergaben hohe Punktzahlen, während der normale Tester aus beschriebenen Gründen zwischen 0-2 Punkte für angebracht hielt.

Sinalco Cola

Schaffte es die Sinalco bei Mixology noch ins Mittelfeld, findet sie sich bei uns auf den unteren Plätzen wieder. Auch hier wurden die zu bitteren Noten bemängelt und ihr vor allem eine zu starke Süße unterstellt.

Vita

Wie die Sinalco ist die Vita Cola ganz gut bei den Profis angekommen. Wiederum gab es bei uns nicht viel zu holen. Wobei bisher die zu „kräutrigen“ Noten bemängelt wurden, ist es jetzt die zu starke Zitrone und eine für viele etwas befremdliche Orangennote und starke Frucht. Auch hier scheint die Balance für unsere Tester zu fehlen.

Premium Cola

Silber bei Mixology, bei uns aber nur das Mittelfeld für den Underdog aus Hamburg. Sie wurde mehrmals als Coca Cola oder Fritz identifiziert und die bisher fehlende Balance zwischen Zitrone, Kräuter, Gewürz und Süße scheint hier gegeben. Etwas intensiver hätte sie unseren Testern sein können.

Afri Cola
Genau in der Mitte landet dieser Klassiker aus Köln. Abgestraft wurde sie von den Profis. Geschmacklich können wir ihr nur anlasten, dass sie etwas viel Süße („Karamell“) besitzt und im Abgang leicht bitter wird.

Ja! Cola

Die Discounter Cola kam bei uns ganz gut an. Nur „etwas lasch im Geschmack“, „Sehr Süß“ und „etwas langweilig“ war sie. Die Zitrusnoten dagegen wurden als ausgewogen bewertet und es viel häufiger der Vergleich zu Coca-Cola. Deshalb ist sie vielleicht bei Mixology auch im hinteren Bereich nahe dem Marktriesen gelandet.

Club Mate Cola

Diese eher spezielle Cola hat uns ganz gut geschmeckt. Obwohl der ein oder andere „verwirrt“ war von ihr. Sie konnte durch schöne Zitrusnoten und einer ausgeprägten Würzigkeit und nicht zu aufdringlicher Süße punkten. Die Profis sahen das ähnlich, auch hier landete sie im vorderen Bereich.

Pepsi Cola

Der Riese schafft es bei uns auf Platz 3. Wiederum gefielen uns die spritzige Zitrone. Auch ausgewogen erschien sie uns, hatte sie ja auch Jahre genug Zeit unsere Definition von „Cola“ zu prägen. Auch bei Mixology reichte es für ein gutes Ergebnis im soliden Mittelfeld.

Coca-Cola

Der Marktführer schaffte es trotz Blindverkostung nicht sich versteckt zu halten. Fast jeder unserer Tester erkannte sie auf Anhieb. Eine nahezu perfekte Balance zwischen „erfrischend“ und würzig-zimtig mit wiederum feinen Zitrusnoten wurde ihr unterstellt. Dagegen abgeschlagen auf dem letzten Platz landet sie bei Mixology. Sie scheint gewöhnlich und hat genauso wie Pepsi unseren Geschmack über Jahre geprägt

Fritz Cola

And the Winner is……

Durchweg gute Bewertungen, perfekte Süße, erfrischend, voller Geschmack, angenehme Kräuternoten. Aber nicht nur für uns war sie die beste Cola, auch bei den Profis schnitt sie sehr gut ab. Endlich waren wir uns mal einig…..

Cola auf Eis

Fazit:

Harte Arbeit liegt hinter uns. Mancher war geplättet von so viel schwarzer Limonade. Die speziellen Colas hatten es bei uns ganz schwer, was sicherlich auch an den Erwartungen liegt, die wir an eine Cola haben. Die Marktführer scheinen es geschafft zu haben, dass wir ein ganz genaues Bild davon haben, wie eine Cola schmecken muss. Alles, was dem nicht entspricht wird abgestraft und nicht als Cola akzeptiert. Einzig die Club Mate Cola schaffte es auf Anhieb zu gefallen, obwohl sie nicht einer klassischen Cola entspricht. Anders die erfahrenen Profis, ihre Zungen scheinen eher für interessante Geschmacksprofile offen zu sein. Trotz der eher mäßigen Bewertungen der „anderen“ Colas, sollte man diese mal ausprobieren. Sie schmecken sicherlich nicht jedem, aber für einen selbst können sie die perfekte Alternative sein. Alle anderen bleiben bei den „üblichen Verdächtigen“. Hier weiß man was man bekommt und das ist auch gut so.

 

Florian Rupp

Advertisements