Vertikal verkostet: Trollinger Vision 11-13

Jung, wild, traditionell

Der Jugend wird öfters eine gewisse Leichtsinnigkeit und Experimentierfreude nachgesagt. Auch für die Jungwinzer der Heuchelberg Weingärtner gilt dieses Credo, welches in keinster Weise negativ behaftet sein sollte. Denn aus Tradition und Innovation entstand in den Händen dieser jungen Wilden aus dem Weinort Schwaigern, ein Wein der Aufmerksamkeit erregt und den Gaumen vieler Weintrinker zunächst erstaunt und dann verzückt.

Etikett auf Weinflasche Trollinger Vision Heuchelberg Wingärtner

Wenn es um ambitionierte, charaktervolle und tiefe Weine geht, sind es Rebsorten wie Spätburgunder, Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc, in Deutschland vielleicht noch der Lemberger, die einem in den Sinn kommen. Die Jungwinzer einigten sich für ihr Projekt auf eine Rebsorte, die international, gar national wenig bis kein Ansehen genießt – Der Trollinger. Sein angestaubtes Image des schwäbischen Vierteleweins (im Verschnitt mit dem Lemberger) galt es aufzupolieren. Geschwängert von Württemberger Tradition, gepaart mit State-of-the-Art Kellereitechnik und als quasi autochhtone Rebsorte*, bot der Trollinger ein enormes Potential um den Traum eines außergewöhnlichen Weines zu verwirklichen. Und wie es eben in Württemberg ist – jedes Mitglied der Jungwinzer bewirtschaftete schon Toplagen des Trollingers. Alles passte und somit stand einem großen Wein nichts mehr im Wege.

Uns bot sich die Möglichkeit den bisher verfügbaren Jahrgang 2011 vertikal mit den kommenden Jahrgängen 2012 und 2013 zu verkosten. Während 2012 gerade in der Flasche reift und bald verfügbar sein wird, hat der Jahrgang 2013 noch einige Zeit im Keller zu verweilen.

 

Weinberg & Vinifizierung

Für die Vision der Schwaigerner wird nur vollreifes und kerngesundes Lesegut aus alten Weinbergen in Toplagen, mit einem Alter von mindestens 25 Jahren, verwendet. Pro Stock werden maximal 8 Trauben zur Ernte gebracht, wobei bei jedem einzelnen Trauben Schultern und Spitze entfernt werden. So bleibt nur das Herz der Traube, was eine maximale Frucht- und Aromakonzentration ermöglicht. Alles natürlich in kompletter Handarbeit. Im Keller wird anschließend sehr schonend mit dem Lesegut gearbeitet. Nach eine klassischen Maischegärung kommt der Wein in Holzfässer sowie gebrauchte Barriques aus der Lembergerproduktion. Den Abschluss bildet eine mehrmonatige Keller- und Flaschenreife bevor der Wein 2,5 Jahre nach der Lese offiziell released wird.

 

Verkostungsnotizen

Jahrgang 2011

Eine für einen Trollinger recht dunkle rote Farbe. In der Nase zunächst dominiert von Pfeffer und die sortenspezifischen Kirscharomen, wozu sich ein Hauch Kaffee und Toffee gesellt. Am Gaumen sehr rund und schmelzig. Wieder schmecken wir Kirsche in Kombination mit Kaffee und Karamell aus der der Holzfasslagerung. Getragen wird der Wein von einem leichten, anhaltenden Gerbstoffgerüst sowie angenehmer Mineralität.

Alkohol: 13.5 % vol.
Restsüße: 0.3 g/L
Säure: 4.6 g/L

Jahrgang 2012

Der aktuelle Jahrgang liegt etwas heller im Glas als 2011 und weiß sich auch sonst positiv von seinem großartigen Erstling abzuheben. Leichter, strukturierter, filigraner und charmanter in Nase und Mund präsentiert sicher der Trollinger und wird so jedem Weinenthusiasten Freude bereiten. Die Frucht ist etwas zurückgenommen, ebenso aber Holzaromen. Dafür entzücken einen Mandel und Marzipan und machen den Jahrgang 2012 zu unserem Favoriten.

Alkohol: 13.5 % vol.
Restsüße: 0.7 g/L
Säure: 4.7 g/L

Jahrgang 2013

Zuletzt hatten wir die Ehre eine aktuelle Fassprobe des vergangen Jahrgangs 2013 zu erhalten. Es ist klar, dass dieser Wein noch einige Schritte im Keller durchlaufen und sich bis zum Release (2015/2016) verändern wird. Optisch eine weitere Aufhellung des Ziegelrots im Vergleich mit den vorangegangen Jahrgängen. Olfaktorisch und gustatorisch noch jung und verspielt, schmeckt man doch ein enormes Potential. Eine super klare und saubere Kirschkomponente paart sich hier leicht und verspielt mit Vanille, Mandel und Kaffee, was alles durch eine erstklassige und ebenso filigrane Säure interessant und saftig gehalten wird. Eventuell bald unser Favorit – Exzellent!

Alkohol: 13.5 % vol.
Restsüße: 1.2 g/L
Säure: 4.8 g/L

 
*Trollinger ist eine Variation des Tiroler Vernatsch, woraus sich wahrscheinlich auch dessen Name ableitet. Somit ist der Begriff Autochthon mit Vorsicht zu verwenden.

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